Wenn Bands zusammenkommen, um an einem neuen Song zu arbeiten, heißt das nicht unbedingt, dass sie es auch wirklich tun. Am Ende hat sich der Bassist möglicherweise mit bislang ungeahnten Bassläufen verewigt, der Gitarrist ist nur noch drei Soli von der finalen Selbstverwirklichung entfernt, und der Drummer lauscht seinen ambitionierten Rhythmuswechsel selig lächelnd noch einmal kurz vor dem Einschlafen. Aber ein Song? Ist eher nicht dabei herausgekommen.  

 

Bei Minor Cabinet ist das anders. „Es geht nur um den Song“, lautet die Maxime der fünf Musiker, wenn sie in ihrem Krefelder Proberaum zusammenkommen. Am Anfang ist dann eine Idee, die es zu entwickeln und zu unterstützen gilt. Und weil Julian Jasny (Gesang, Gitarre), Roman Dönicke (Schlagzeug), Robert Kaber [Gitarre), Christian Peitz (Keyboards) und Paul Krobbach (Bass) aus den unterschiedlichsten musikalischen Richtungen und allerlei feinen Krefelder Bands kommen, ist die Herangehensweise dabei ausgesprochen frei. Beweisen muss sich niemand mehr, denn jeder von ihnen hat bereits ausgiebig gezeigt, was er an seinem Instrument kann. Zu abwegig ist erst einmal kein musikalischer Einfall, solange er dem jeweiligen Song dient. Stagnation ist verpönt. Die sichere, berechnend kalkulierte Hit-Nummer ebenso.  

 

Wie man die Musik von Minor Cabinet nun nennen soll, genretechnisch? Schwer zu sagen bei einer Band, die sich gerne neuen Ideen öffnet und deren Bandmitglieder in den Bereichen Pop, Rock, Funk, Metal, Pop und Orchester – die Aufzählung mag verwegen scheinen, ist aber unvollständig – über viel Erfahrung und Expertise verfügen. Der ein oder andere Zuhörer mag mit dem Begriff „Alternative“ jonglieren. Besser ist es jedoch, die Schubladen geschlossen zu halten und einfach nur zuzuhören. 

 

Bei Minor Cabinet kann man das seit 2013. Zwar hatten sich Julian Jasny und Roman Dönicke bereits zu Schulzeiten kennengelernt und damals auch schon zusammen Musik gemacht, doch nach dem Abitur trennten sich ihre Wege. 2011 kam es zum großen Wiedersehen, 2012 zur Bandgründung und den ersten Proben. Die ersten Live-Auftritte hatten kaum stattgefunden, da klopfte auch schon ein Label an. „Black Ink On White Sheets“ heißt das Album, das 2015 erschien; ruhig ließen es die Krefelder definitiv nicht angehen. Die Platte bestach durch ausgefeiltes Songwriting und den Sound spielbegeisterter Könner und leidenschaftlicher Musiker. So hätte es weitergehen können. Wollte die Band aber nicht. Vielmehr wagte sie einen Neustart. 

 

Für die Produktion ihres zweiten Albums "Another Sign of love", das im Sommer 2020 erscheint, hat sich die Band neu aufgestellt. Für den Keyboarder Tarak El Kassar kam Christian Peitz von den Fog Joggers, an die Stelle von Clemens Bombien trat Robert Kaber. Die Veränderungen im Sound sind nicht zu überhören: Wurden Minor Cabinet früher noch voreilig in der Bluesrock-Ecke positioniert, tun sich heute ganz neue Möglichkeiten und Horizonte auf. Was nach wie vor gilt: Auf die protzige Hook, den nach Aufmerksamkeit gierenden Chorus verzichtet die Band gerne. Die Songs von Minor Cabinet buhlen nicht mit bloßen Oberflächenreizen um die Gunst der Hörer, sie gehen lieber den komplizierten Weg und wollen erschlossen werden. Man muss sich auf diese Lieder einlassen. Und weil das Freude bereitet und einen immer wieder Neues entdecken lässt, bleibt man dann auch besonders lange bei ihnen.  

 

Das Nicht-Offensichtliche des Songwritings spiegelt letztlich die Qualität der Texte wider, die von Julian Jasny stammen. Schreiben kann er nur über Themen, die ihn bewegen. Dieses Involviert-Sein führt jedoch nicht zum Dozieren oder Predigen; um ermüdend Eindeutiges  macht er einen großen Bogen, Plattitüden sind ihm zuwider. Julian möchte Sätze singen, die er so vorher noch nie gesagt hat und die mit ihrer Bedeutung nicht hausieren gehen. Und so, wie sich die Texte nicht direkt erschließen, erschließen sich auch die Songs in ihrer unaufdringlichen Komplexität erst nach und nach. 

Auf kommerziellen Erfolg sind Minor Cabinet mit diesen Liedern nicht aus. Wohl aber auf möglichst viele Gigs, denn Feedback ist den fünf Musikern enorm wichtig. Dass Auftritte der Krefelder Band – nicht zuletzt dank Julian Jasnys ausdrucksstarker Stimme – etwas ganz Besonderes sind, sei nur am Rande erwähnt. Die hohe Kunst des Songwritings: Auch live entwickelt sie eine unwiderstehliche Kraft.      

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